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Schon zur letzten Produktion "Quarrtsiluni" im Jahr 2011 war im Zusammenspiel aller künstlerischen Bereiche eine stärkere Gewichtung der musikalischen Anteile angedacht. Vielleicht war die Zeit damals aber noch nicht reif genug. So wurde "Quarrtsiluni" ein spannender Hybrid: die Hörszenen reichten bei aller Plothaftigkeit weit in surreale Klang- und Vorstellungswelten hinein und verschmolzen mit stark musikalisch geprägten Klangszenen und reinen Musikstücken auf der Livebühne. Doch es war immer noch ein Klangraumtheater, kein Konzertstück. - Mit der neuen Produktion, für die die Planungen in 2016 beginnen, soll dies nun anders werden.

In allen bisherigen Produktionen war die Handlung, die Geschichte einerseits ein hilfreicher roter Faden, an dem entlang man sich durch den Abend lauschte. Aber sie besaß eben dadurch auch eine Eigengravitation, die stets stärker war als die der Musik. Die Musikgeschichte ist natürlich reich an Beispielen von der Musik als Untertan, zumal im Bereich des Musiktheaters. Auch bei uns diente die Musik zumeist der Handlung, auch dem Konzertort (Kirchenräume!) und hatte deshalb Kompromisse einzugehen, vor allem hinsichtlich der Arrangements und der Texte. Das konnte ihr auch zum Vorteil gereichen: als Dienerin stand sie nicht in vorderster Reihe, man machte sie nicht verantwortlich, wenn die Geschichte nicht gefiel, ja, oft mag sie gerade in ihrer Zurückgestelltheit sogar die eigentliche Herrin des Abends gewesen sein.

Aber bei aller Faszination für im Raum sich entfaltende Geschichten, für Klangburgen und starke Handlungsstränge hat ich doch oft auch das Gefühl, der Verantwortung für die Musik nicht gerecht zu werden. Im Innersten, in meinem Innersten, aber auch im Innersten des Lusorium und seiner Vorläuferprojekte, wohnte immer sie. Und mit der zunehmenden Anzahl an Produktionen (insgesamt sieben in zwanzig Jahren) bekam sie für mich mitunter etwas gleichsam Aschenputtelhaftes, mit all der innewohnenden Sehnsucht, dem zu entkommen.

Die Blüten dieser Sehnsucht sollen nun das Herz der neuen Produktion werden. Diese Sehnsucht hat lange genug gebraucht, um eine Gestalt anzunehmen. Eine Gestalt, von der ich hoffe, dass sie beständig bleiben und wachsen wird. Und so steht der Titel "The blossoms of yearning" als ein Schirm für ein völlig neues Konzertkonzept, in dem wir klassische Vokalmusik eines Ensembles mit elektronischen und akustischen Klängen und Musikstücken verbinden wollen. Zusammengeführt von Lead-Vocals, die Texte in ausschließlich englischer Sprache singen werden. Umgeben von Klangräumen, die die Fantasie der Hörer und der Ausführenden über den Konzertraum hinaus in die Welt wandern lassen wollen.